Wie man das Licht wirft, so fällt es

Wer professionelle Fotos machen möchte, der will nicht warten, bis die Sonne gerade den richtigen Einfallswinkel durch das offen stehende Fenster hat und für ein paar Minuten das Objekt oder Motiv beleuchtet. Auch will man in seinem Studio zu jeder Tages- oder Nachtzeit Aufnahmen mit gutem Licht machen können, ohne sich mit zeitraubenden Vorbereitungen herumschlagen zu müssen oder nachher vom Ergebnis trotz bester Voraussetzungen enttäuscht zu sein.

Keine Kompromisse bei Lichtwerfern

Improvisationen mit haushaltsüblichen Lampen sind verpönt, wenn man nicht Nerven wie breite Nudeln hat und Brandblasen und Kurzschlüsse für eine gelungene Abwechslung im Studio hält. Der Fotograf muss die Hände und den Kopf frei haben, um sich auf die Arbeit mit Modell und Kamera richtig konzentrieren zu können. Gute Studiolampen und Blitze sind also auch für den Anfänger Pflicht. Bei der Erstanschaffung von Studioausrüstung muss man davon noch kein Dutzend kaufen, aber zwei bis drei gute Dauerlampen und ein Blitzset sollte man sich auf jeden Fall zulegen.

Unkomplizierte Lichtformer

Ein Einsteiger braucht noch keine Oktagon Softbox von gigantischen Ausmaßen, sondern kommt mit einigen wenigen, guten Lichtformern prima über die Runden und kann sein Equipment dann später nach Lust und Laune erweitern. Der unkomplizierteste und einfachste Lichtformer ist der Reflektor, den man um den Blitzkopf oder die Lampe herum montiert, so dass das Licht sich nicht einfach überall hin ausbreiten kann. Stattdessen wird es von der meist weißen oder silbernen inneren Beschichtung des Reflektors zurückgeworfen und erscheint dadurch weicher und gleichmäßiger.

Flächenreflektoren für In- und Outdooraufnahmen

Es ist logisch, dass das Licht einen anderen Weg nimmt, je nachdem, ob man es von einem flachen oder gekrümmten Reflektor zurückwerfen lässt. Wenn einfach von Reflektoren die Rede ist, sind damit meist Flächenreflektoren gemeint. Der flache Reflektor wird normalerweise auf einem Stativ so befestigt, dass man ihn frei hin- und herdrehen kann, um den besten Effekt zu erzielen. Im Freien, in großen Räumen oder bei sehr großen Motiven kann man hier auch improvisieren, indem man über eine Hauswand oder Styroporplatte blitzt. Professionelle Reflektoren sind in vielen Größen und Formen erhältlich und kommen nicht nur im Innenbereich in Verbindung mit Studiolicht und Blitzanlagen zur Geltung, sondern werden auch zur Steuerung und Dosierung des Sonnenlichts bei Aufnahmen im Freien verwendet. Mit Hilfe von Reflektoren kann natürliches oder künstliches Licht sowohl direkt auf Modell oder Motiv richten als auch indirektes Licht durch Umlenkung erzeugen.

Reflex- und Durchlichtschirme

Auch ein Reflexschirm verändert die Richtung des Lichts, allerdings auf andere Art als ein Flächenreflektor. Er wird direkt vor der Lampe oder dem Blitz angebracht, dadurch wird das Licht in die Gegenrichtung umgelenkt und gleichzeitig durch die Krümmung der Innenfläche gebündelt. Ein Reflexschirm ist undurchlässig und innen mit einer Spezialbeschichtung versehen. Die häufigsten Farben dafür sind Weiß, Gold oder Silber. Durch die Farbe der Schirmbeschichtung verändert sich auch die Farbe des Lichts. Silber lässt es klar und hart erscheinen. Gold erzeugt einen ähnlichen Effekt, aber die Lichtfarbe ist wärmer. Ein innen weiß beschichteter Reflexschirm erzeugt im Vergleich zum versilberten ein weicheres, etwas diffuses Licht. Durchlichtschirme sind, wie der Name schon vermuten lässt, lichtdurchlässig und werden zu ähnlichen Zwecken eingesetzt wie die Softbox. Hier wird das Licht nicht reflektiert, sondern gleichmäßig gestreut und verteilt.

Schirm statt Softbox?

Mit dem Durchlichtschirm kann man die meist teurere Softbox zumindest bis zu einem gewissen Grad ersetzen. Der Durchmesser eines solchen Schirms braucht bei normalen Studioabmessungen und der Verwendung mit Systemblitz selten 90 cm zu überschreiten, da der Raum, der durch den Blitz ausgeleuchtet wird, auch begrenzt ist. Die leichte Handhabung und der vergleichsweise niedrige Anschaffungspreis des Durchlichtschirms können unter Umständen über die genauere Steuerbarkeit der Softbox hinwegtrösten. Portraitfotografen bevorzugen manchmal den Durchlichtschirm, weil er keine eckigen, sondern runde Lichtpunkte in den Augen des Modells erkennen lässt Ein Vorteil der Softbox ist ihre Dichtheit. Kein Licht kann unkontrolliert nach hinten entweichen und so unerwünschte Effekte erzeugen.